21.09.2018, 13:20 | ePaper vom 21.09.2018
Die heutigen Ausgaben der ePaper können wir bis auf wenige Ausnahmen erst morgen zur Verfügung stellen.

Wartungsarbeiten auf der Onleihe ab 24.09.2018
Hinweise zu den anstehenden Arbeiten auf der Onleihe finden Sie HIER

  • Ich habe mir bei meiner Onleihe die Anschaffung eines Titels gewünscht, der der zweite Teil einer Reihe ist, Band 1 und 3 sind bereits vorhanden. Inzwischen hat mir die Onleihe mitgeteilt, dass eine Anschaffung nicht möglich ist, weil die digitalen Rechte für dieses Buch nicht erworben werden können. Sie haben mich aber über die Kampagne informiert und ich habe den Brief an meinen Abgeordneten gesendet. Hier ein Auszug aus der Antwort von Herrn Giengers Büro:

    "Digitale Technologien und Veröffentlichungsformen bieten allen Beteiligten - Autoren, Verlegern und Lesern - spannende neue Möglichkeiten. Gleichzeitig ist der E-Book-Markt jedoch immer noch nicht vollständig entwickelt. Händler, Verlage und Bibliotheken sind noch dabei, neue Geschäftsmodelle auszuprobieren und Verbreitungswege zu erschließen. Daher sollten kostenfreie und umfassende Zugangswege zu digitalen Inhalten nicht voreilig als alleiniges Geschäftsmodell etabliert werden. Zudem ist es nicht Aufgabe des Gesetzgebers, sondern der Kreativindustrie, neue Geschäftsmodelle sowie eine hohe und dauerhafte Angebotsvielfalt mit breiten Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen. Bibliotheken, Verlage und Buchhandel sollten daher im bestehenden System gemeinsam Lizenzierungslösungen und Geschäftsmodelle für die E-Book-Nutzung durch öffentliche Bibliotheken erarbeiten. Die Tatsache, dass nach mehrjährigen Verhandlungen auch die Verlagsgruppen Holtzbrinck und Bonnier den Bibliotheken E-Book-Lizenzen - wenn auch zu anderen Konditionen - anbieten, macht aktuell deutlich, dass eine gesetzliche Reglung hier nicht notwendig ist" :cursing: Auf gut deutsch, seht zu, wie ihr klar kommt.

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  • macht aktuell deutlich, dass eine gesetzliche Reglung hier nicht notwendig ist" Auf gut deutsch, seht zu, wie ihr klar kommt.

    Da hilft nur, einen anderen Abgeordneten zu wählen und das auch kundzutun. Es funktioniert eben nicht, wenn Bücher nicht angeboten oder nur überteuert angeboten werden. Das mitten in einer Serie Bücher aus diesem Grund fehlen, habe ich auch schon erlebt und finde ich unmöglich. D.h. ja, dass der Verlag es generell macht, aber eben nach Belieben Titel sperrt.

  • Ich habe mir bei meiner Onleihe die Anschaffung eines Titels gewünscht, der der zweite Teil einer Reihe ist, Band 1 und 3 sind bereits vorhanden. Inzwischen hat mir die Onleihe mitgeteilt, dass eine Anschaffung nicht möglich ist, weil die digitalen Rechte für dieses Buch nicht erworben werden können. Sie haben mich aber über die Kampagne informiert und ich habe den Brief an meinen Abgeordneten gesendet. Hier ein Auszug aus der Antwort von Herrn Giengers Büro:

    "Digitale Technologien und Veröffentlichungsformen bieten allen Beteiligten - Autoren, Verlegern und Lesern - spannende neue Möglichkeiten. Gleichzeitig ist der E-Book-Markt jedoch immer noch nicht vollständig entwickelt. Händler, Verlage und Bibliotheken sind noch dabei, neue Geschäftsmodelle auszuprobieren und Verbreitungswege zu erschließen. Daher sollten kostenfreie und umfassende Zugangswege zu digitalen Inhalten nicht voreilig als alleiniges Geschäftsmodell etabliert werden. Zudem ist es nicht Aufgabe des Gesetzgebers, sondern der Kreativindustrie, neue Geschäftsmodelle sowie eine hohe und dauerhafte Angebotsvielfalt mit breiten Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen. Bibliotheken, Verlage und Buchhandel sollten daher im bestehenden System gemeinsam Lizenzierungslösungen und Geschäftsmodelle für die E-Book-Nutzung durch öffentliche Bibliotheken erarbeiten. Die Tatsache, dass nach mehrjährigen Verhandlungen auch die Verlagsgruppen Holtzbrinck und Bonnier den Bibliotheken E-Book-Lizenzen - wenn auch zu anderen Konditionen - anbieten, macht aktuell deutlich, dass eine gesetzliche Reglung hier nicht notwendig ist" :cursing: Auf gut deutsch, seht zu, wie ihr klar kommt.

    Kauf' dir Band 2 (u. U. gebraucht bei ebay und Konsorten) und gut ist. Du hast ja dann die Anschaffungskosten die beiden anderen Bände, die über die anteiligen Gebühren für den Ausweis deiner Bibliothek hinaus gehen, gespart.


    Du hast von Thema her ja Recht, aber ärgern nutzt nichts.

  • Ich finde es dreist wie die Verantwortung hier von der Politik einfach abgetan wird. Es gibt quasi die Vorgabe, dass Bibliotheken das Recht haben sollten alles zu kaufen aber es nicht können und dann sollen die Beteiligten das selber hinkriegen... solange es keinen gibt der auf die Finger klopft werden die Verlage doch nix tun. Wenn ein Verlag mit macht heisst es eben nicht dass man dann alles kaufen kann. Und klar spart man sich die Kosten für Bd. 1 und 3 bei ner lückenhaften Reihe aber ist doch idiotisch dann nen Mittelband gedruckt zu haben und den Rest nicht...

  • Kauf' dir Band 2 (u. U. gebraucht bei ebay und Konsorten) und gut ist. Du hast ja dann die Anschaffungskosten die beiden anderen Bände, die über die anteiligen Gebühren für den Ausweis deiner Bibliothek hinaus gehen, gespart.


    Du hast von Thema her ja Recht, aber ärgern nutzt nichts.

    Da geht es doch nicht um die Kosten von dem einen Buch. Mir geht es beim Leihen selten um die Kosten, ich hab schlicht keinen Platz mehr für neue Bücher, und nein, von denen kommen keine weg, wenn ich welche kaufe, die ich nicht behalten will, verkaufe ich die gleich wieder. Ich will aber nicht unbedingt ein Mittelbuch einer Reihe kaufen, auch nicht das Ebook. Ich kann einfach den Sinn dahinter nicht verstehen. warum es die Lizenzen für Teil 1 und 3 gibt, und für 2 nicht. Mein Ärger ist im Übrigen auch nicht sonderlich groß, trotzdem finde ich, dass es für alle Interessierten wichtig ist zu wissen, was unsere Politiker dazu sagen.

  • ...und dass auch Politiker demokratischer Parteien in "besonderen" Fällen nicht an der Durchsetzung des Grundgesetzes interessiert sind - was ich dem Herren als meinen Eindruck über ihn auch mitteilen würde.


    Für das m. E. sehr durchsichtige Geschäftsmodell möchte ich etwas weiter ausholen:


    Das ist halt typisch: Erst verpennen alle Konzerne das Internet und alle Möglichkeiten der Digitalisierung und dann wird es/werden sie feindlich übernommen... Auch von der Politik. Letzten Endes wird eben sogar die Verfassung ganz praktisch ausgehebelt, nicht nur ihr Geist.


    Da hilft halt nur, solche Geschäftsmodelle durch Boykott kaputtzumachen. Auch die Autoren werden dann andere suchen müssen. Was hat ein Anbieter von einer Ware, die er nicht los wird? Letzten Endes ist heute das meiste auch nichts, worauf die Welt eigentlich gewartet hat oder warten hätte müssen, sondern massenhaft künstlich geweckte Bedürfnisse, reine Ablenkung und (Informations-) Bulimie. "Haben wollen" war schon immer ein schlechter Ratgeber...


    Das Geschäftsmodell in diesem Fall ist, anzufixen, notfalls (oder prinzipiell) in einem nächsten "Fenster" weiter zu reizen und Lücken zu lassen. Das weckt den Sammel- und Vollständigkeitstrieb als zusätzlichen Impetus zum reinen Konsumverhalten. Und später wird es Dinge geben, die nur noch "körperlos" veröffentlicht werden. Aber klar hat sich die Kulturindustrie, hat sich der Massenbetrug der "Aufklärung" seit Adorno/Horkheimer auch weiter entwickelt. Dazu siehe z. B. hier: http://eipcp.net/transversal/0207/raunig/de


    Ich finde die Idee vom Massenselbstbetrug im Prinzip richtig, sie (be-) trifft ja beispielsweise "besonders schön" exemplarisch die Schönheitsindustrie, aber der Selbstbetrug wird ja schließlich ständig neu initiert. Da hat sich eigentlich nichts von... (z. B. Betrug) nach... (z. B. Selbstbetrug) verschoben, sondern die Auflösung der Begriffe und der Wirkungsketten ist heute eine feinere geworden, der Betrug wurde subtiler - oder sagen wir zumindest: Die Möglichkeit einer genaueren Betrachtung und Selbstbetrachtung könnte sich eigentlich endlich herumgesprochen haben...


    ... nicht zuletzt Dank Internet und damit der Auflösung bzw. Ergänzung der vergleichsweise doch recht starren und viel schwerer zugänglichen Informationsstrukturen der Vor-WWW-Zeit (u. a. Bibliotheken mit der Prämisse einer vorherigen - industriellen - Veröffentlichung. Ich kann mich sogar noch an eigene technische Recherchen im Berliner Patentamt erinnern...)


    Mittlerweile sind wir aber leider da angekommen, wo Informationsfreiheit von Demagogie und Populismus (und äußeren politischen Interessen) pervertiert wird, wie Goebbels, gleichen Geistes Einpeitscher, damals den Rundfunk als ursprünglich Kulturen verbinden sollendes Medium pervertiert hat und nachvollziehbare bzw. rückverfolgbare Informationen und Gedanken, Bücher nämlich, im Rahmen eines hetzenden Rituals zensiert hat.


    Parallelen/Ähnlichkeiten zum heutigen Umgang gewisser Politik(er) mit öffentlich-rechtlichen Medien und freiem Journalismus sind auch kein Zufall. Informationsmonopole auch nicht. Und die Betonung einer eher technischen Medienkompetenz des Bürgers anstelle seiner Kulturkompetenz* und besonders Selbstkompetenz auch nicht...


    Also: Empört Euch! Engagiert Euch: Verzichtet!


    * da beziehe ich die Fähigkeit ein, sich für Wissenschaft zu interessieren und sie zumindest in Grundzügen zu verstehen und zu hinterfragen.

    Das Prinzip, Komplexität mit noch mehr Komplexität nur zum Schein wieder beherrschbar zu machen, ist nicht nur das Geschäft von Juristen und Politikern, sondern auch das eines gewissen IT-Konzerns, der zudem den geistigen und sozialen Horizont gewisser Managertypen auf Kuchendiagramme einzuengen vermochte.

  • Was man bei der Sache übrigens noch im Auge behalten sollte:


    Auch eBooks unterliegen der Preisbindung! Und die Lobbyisten arbeiten konstant daran, auch für eBooks den reduzierten Mehrwertsteuersatz abrechnen zu können, auch für heruterladbare! Das würde sich gewiss nicht auf den Preis auswirken, sondern auf den Gewinn.


    Da sind eBooks also trotzdem Bücher... Wie es gerade in den Kram passt...


    Entrüstet Euch!

    Das Prinzip, Komplexität mit noch mehr Komplexität nur zum Schein wieder beherrschbar zu machen, ist nicht nur das Geschäft von Juristen und Politikern, sondern auch das eines gewissen IT-Konzerns, der zudem den geistigen und sozialen Horizont gewisser Managertypen auf Kuchendiagramme einzuengen vermochte.

  • Auch eBooks unterliegen der Preisbindung!

    Bibliotheken erwerben aber nicht das ebook sondern eine Lizenz und die wiederum unterliegen nicht der Preisbindung... somit haben die Verlage hier ein schönes Schlupfloch gefunden.

    Da hilft halt nur, solche Geschäftsmodelle durch Boykott kaputtzumachen.

    Das hilft bei der Onleihe nur bedingt - bei den ganz miesen Ausleihkonditionen wurde schon viel boykottiert. Aber es ist eben der Spagat zwischen den Kunden überhaupt was anbieten zu können und den Verlagen die Stirn zu bieten. Und viele Verlage wollen ja gar nicht unbedingt ihre Bücher in der Onleihe sehen, weil die ja das ebook-Geschäft kaputt machen. Ist also die Frage, ob es ihnen tatsächlich wehtut oder eben nur die Endkunden darunter leiden.

  • Der Hinweis auf die Preisbindung war als Kritik gemeint. Für mich ganz klar: Preisbindung dann eben auch nur bei körperlichen Werken - oder Erschöpfungsprinzip auch bei den körperlosen.


    Der Boykottaufruf richtete sich an die Leser und würde sich, so welche hier wären, gerade an Käufer richten. Die Preise für eBooks scheinen mir eh in keinem akzeptablen Verhältnis zum gedruckten Buch zu stehen. Klar ist verständlich (da üblich), dass jeder Anbieter einer Ware den Kunden erst einmal von oben her abzieht mit dem Ziel einer Gewinnmaximierung. Aber keiner von denen genießt eine Preisbindung - selbst Apotheken offensichtlich nicht - und oben drauf noch eine de-facto-nationale. Aspirin etc. kann ich auch zu einem viel niedrigeren Preis im Ausland kaufen...


    Bisschen viele wettbewerbswidrige Vorteile für die Verlagskonzerne, nicht? Wenn man auf der einen Seite eine Relevanz für Bildung und Kultur unterstellt bekommt bzw. sie für sich reklamieren kann, dann auch auf der anderen!

    Das Prinzip, Komplexität mit noch mehr Komplexität nur zum Schein wieder beherrschbar zu machen, ist nicht nur das Geschäft von Juristen und Politikern, sondern auch das eines gewissen IT-Konzerns, der zudem den geistigen und sozialen Horizont gewisser Managertypen auf Kuchendiagramme einzuengen vermochte.

  • Auf unserer Homepage ist die Kampagne bereits eingebunden, der zugehörige Button auf der e-ausleihe-franken wird demnächst folgen - ansonsten kann ich nur alle auffordern: schreibt, stimmt ab, macht mit! :)

    Stadt- und Schulbücherei
    buecherei.gunzenhausen.de

  • pmarielle Wortwörtlich dieselbe Antwort haben wir von unserem Abgeordneten auch bekommen! Scheint fast so, als hätten die alle eine Antwortvorlage, die dann einfach rausgeschickt wird, wenn sich mal wieder jemand wegen des Rights to eRead meldet. :rolleyes:

  • Man könnte fast den Verdacht hegen, daß auch die Verlage eine Vorlage verfasst hätten... ich habe eine sehr ähnliche Antwort erhalten.

    Fast? Meint Ihr etwa, die haben keinen Verband? (*lol*) Oder die Abgeordneten kümmerten sich gar persönlich darum? Man kann aber Rückschlüsse auf die selbstständige Arbeitsfähigkeit und politische "Intelligenz" ihrer Hilfskräfte aus den Antworten ziehen. Nur: Wer schreibt schon mehrere Abgeordnete an?


    Etwas mehr Druck könnte man machen, wenn die Bibs die Antworten aus ihrem Wahlkreis sammeln und veröffentlichen würden. Aber die meisten dürften sich da Sorgen um ihre Budgets und Stellenpläne machen... (das tun sie bei uns schon bei geringen unpolitischen Ansätzen, z. B. qualifizierterer Freiwilligenarbeit, die über Vorleser und Bücherkuriere hinausgeht.)


    Kauft Tablets anstelle von eBook-Readern (da gibt es Hersteller und Verkäufer ohne einschlägige Nebeninteressen) und nutzt auch die anderen Medien, zum Beispiel die, die Ihr eh mit den Rundfunkgebühren bezahlt. Verweigert den Kauf von eBooks. Ergänzt das Anschreiben an die Abgeordneten mit der Ansage, den Kauf körperloser Medien zu unterlassen, solange sie gleichzeitig preisgebunden sind und der Erschöpfungsgrundsatz nicht gilt. Amazon wird das nicht beeindrucken, im Gegenteil...

    Das Prinzip, Komplexität mit noch mehr Komplexität nur zum Schein wieder beherrschbar zu machen, ist nicht nur das Geschäft von Juristen und Politikern, sondern auch das eines gewissen IT-Konzerns, der zudem den geistigen und sozialen Horizont gewisser Managertypen auf Kuchendiagramme einzuengen vermochte.

  • Ergänzt das Anschreiben an die Abgeordneten mit der Ansage, den Kauf körperloser Medien zu unterlassen, solange sie gleichzeitig preisgebunden sind und der Erschöpfungsgrundsatz nicht gilt.

    Ich glaube, meinem Abgeordneten ist es ziemlich egal, ob ich persönlich eBooks kaufe oder nicht. Er verdient daran ja nicht. Und als Bibliothek haben wir keine andere Wahl.

  • Den Abgeordneten ist das ganze Thema eh völlig wurscht, allenfalls ein bisschen lästig, falls sie überhaupt persönlich Notiz davon nehmen.


    Der dbv könnte aber eine "politisch korrekte" Aufforderung zum persönlichen Boykott in seiner Vorlage verklausulieren - ist wohl etwas schwierig, denn er ist ja nicht die Stiftung Warentest. Vielleicht sollte man es der mal antragen. Oder den diversen Verbraucherschützern.

    _____


    Was die Bibs angeht: Dann formuliert halt einen guten Text in einfacher Sprache für eine Unterschriftenliste für eure Kunden und versucht so deren Meinung und Stellung dazu festzustellen. Uninformierte Kunden können nicht Stellung beziehen. Wenn eine Mehrheit dafür ist, eBooks unter den gegebenen Bedingungen zu boykottieren, habt ihr eine Grundlage. Wenn es denen egal ist, dass gezielt Bücher fehlen, wo bei gegebenen Budget eh schon weniger "gekauft" werden können, dann ebenso.


    Eine Handlungsalternative wäre noch, fragliche Bücher dann eben nur "physisch" anzubieten - aber klärt die Leute bitte über die Gründe dafür auf oder befragt sie vorher auch in dieser Hinsicht.

    _____


    Der dbv ist auch nur ein Rädchen in einer systemischen "Demokratie", die wohl unbestreitbar immer mehr Leuten auf den Keks geht. Ich weiß nicht, ob ich deren Kampagne nun eher hilflos oder eher feigenblattartig finden soll - ich bin halt kein besonderer Freund von Verbänden bzw. des Verbandsunwesens, wie ich es nenne. Demokratie geht nur als Graswurzelbewegung in immer neuen Allianzen und durch unsystematische Störungen der viel zu eingespielten Systeme.


    Aber man kann die dbv-Aktion ja als Appell zu einer solchen Graswurzelbewegung ansehen, oder? Und wer mit der "Antwort" seines Abgeordneten unzufrieden ist, sollte wenigstens nochmals schreiben und das ein wenig aggressiver, dass er sich abgewimmelt und nicht vertreten fühlt und seine Schlüsse daraus ziehen wird. Und beim dritten Mal auf die ja ganz offensichtlich zunehmende Unterminierung selbst von verfassungsmäßigen Grundrechten hinweisen.


    Wer aber nun zum ersten mal schreibt, könnte jetzt dabei den direkten Verdacht aussprechen, dass die entsprechende Lobby bereits tätig war und er sich mit der üblichen Standard-Antwort, dass der Markt sich schon selbst reguliere, nicht zufrieden geben würde. Es ginge schließlich um ein verfassungsmäßiges Grundrecht und wo wir denn wohl wären, ein solches dem Markt zu überantworten. Da wisse man ja schon gleich, was von sämtlichen Aussagen über die Digitalisierung zu halten sei... Außerdem schließe ein sich selbst regulierender Markt auch eine Preisbindung aus!



    Das Prinzip, Komplexität mit noch mehr Komplexität nur zum Schein wieder beherrschbar zu machen, ist nicht nur das Geschäft von Juristen und Politikern, sondern auch das eines gewissen IT-Konzerns, der zudem den geistigen und sozialen Horizont gewisser Managertypen auf Kuchendiagramme einzuengen vermochte.

  • Die Antwort des Abgeordneten Herrn Kartes nutzt ebenfalls den oben zitierten "Formbrief".


    Das Ende des Briefes ist allerdings anders formuliert. Statt


    Zitat

    Die Tatsache, dass nach mehrjährigen Verhandlungen auch die Verlagsgruppen Holtzbrinck und Bonnier den Bibliotheken E-Book-Lizenzen - wenn auch zu anderen Konditionen - anbieten, macht aktuell deutlich, dass eine gesetzliche Reglung hier nicht notwendig ist"


    schreibt er/sein Büro:

    Zitat

    "Beispielsweise bestehen bereits Modelle wie das "Onleihe"-System des Anbieters Divibib. Inzwischen sind fast 3000 Bibliotheken und rund 4500 Verlage an die "Onleihe" angeschlossen, auch die Stadtbibliothek ...

    Ich werde die von Ihnen genannten Problemstellungen im Blick behalten und die Entwicklungen des E-Book-Marktes aufmerksam verfolgen."


    Die zweite Abgeordnete meines Wahlkreises hat bisher nicht auf meinen Brief reagiert.



    Wir haben auch überlegt, in unserer Bibliothek eine Unterschriftenliste auszulegen und somit eine größere Menge an Lesern auf die Problematik aufmerksam zu machen und Unterschriften zu sammeln und diese an unsere beiden Abgeordneten zu senden. Das wurde mit Bedenken, ob das mit dem neuen Datenschutzgesetz zulässig ist, erst mal auf Eis gelegt. Wird das woanders gemacht und wenn ja wie?

  • Ach wie schön - da bestätigt sich schon wieder mein Eindruck, dass die DSGVO realiter auf eine Deckelung des einzelnen Bürgers hinausläuft. Aber viele wollen ja offenbar gedeckelt werden, sonst säßen gewisse Parteien nicht in den Parlamenten.


    Öhhh, sorry, aber wenn eine öffentliche Unterschriftenliste für den Unterschreibenden nicht transparent ist - was ist es dann? Und wenn der sich nicht traut, seine verfassungsmäßigen Grundrechte einzufordern, dann gute Nacht...


    Übrigens: Auch die Euronorm für Diesel war lange ein gut funktionierendes "Modell" oder die Hexenverbrennungen. Leider nur sehr einseitig "gut" und unbestreitbar auf der falschen Seite...

    Das Prinzip, Komplexität mit noch mehr Komplexität nur zum Schein wieder beherrschbar zu machen, ist nicht nur das Geschäft von Juristen und Politikern, sondern auch das eines gewissen IT-Konzerns, der zudem den geistigen und sozialen Horizont gewisser Managertypen auf Kuchendiagramme einzuengen vermochte.