Deutsche Literaturprominenz kämpft gegen E-Book-Verleih in Bibliotheken

  • "Sven Regener, Juli Zeh, Frank Schätzing und rund 150 andere Autoren, Verleger und Buchhändler wollen sich nicht mit Centbeträgen abspeisen lassen. Sie beklagen das »Flatrate-Denken« vieler Leser." Quelle: Spiegel Online

    Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?

  • Die Verlinkung auf einen Plus-Artikel finde ich etwas unglücklich. Willst du den Artikel diskutieren (der sich hinter einer Bezahlschranke verbirgt) oder das grundsätzliche Problem?


    Wer den Spiegel ausleihen kann oder kauft:

    Der Artikel befindet sich auf Seite 127 unter dem Titel "Für eine Handvoll Cents".

    Außerdem gibt es diverse Doppelseiten-Anzeigen der Initiative "Fair Lesen" in den heutigen Ausgaben z.B. der FAZ (S. 6/7) und der SZ (Feuilleton S. 20/21).


    Das Thema an sich ist ja nicht neu und wurde auch hier im Forum schon öfter diskutiert, z.B. hier (2019): --> Börsenverein will "faire Entlohnung" bei Online-Ausleihe oder hier (2021): --> Der Bundesrat will erreichen, dass Verleger öffentlichen Bibliotheken für digital erschienene Bücher Nutzungsrechte einräumen müssen


    Im WWW gibt es eine Menge Sekundärinformation, u.a.:

    Im Januar 2021 gab es einen Offenen Brief des dbv an die Abgeordneten des Bundestages - hier die entsprechende Pressemitteilung des dbv (PDF-Download):

    --> Über 600 Bibliotheksleitungen fordern in einem Offenen Brief den ungehinderten Zugang zu E-Books

    ... und danach eine Reaktion des Netzwerks Autorenrechte (dort auch weiterführende Links):

    --> Sind Autor:innen, Übersetzer:innen, Verlage und Buchhandlungen die Deppen der Nation?


    In dem im Eingangsposting verlinkten Spiegel-Artikel geht es um eine "Protestaktion" der Initiative "Fair Lesen". Diese Initiative hat eine eigene Homepage; zu erreichen über:

    --> https://www.initiative-fair-lesen.de/

    Dort findet sich auch der Anzeigen-Text/der Offene Brief inkl. einer Liste der Erstunterstü+tzer:innen.


    Ergänzung: Mittlerweile gibt es auch vermehrt frei zugängliche Meldungen - einfach im WWW nach "Fair Lesen" suchen (am besten inkl. Anführungszeichen) - heute Morgen z.B. ein Rundfunkinterview mit Nina George im rbb; nachzuhören hier: --> Fair lesen - Initiative wendet sich gegen Zwang zur E-Book-Leihe

    2 Mal editiert, zuletzt von spitzefeder () aus folgendem Grund: Ergänzungen

  • Schade, dass in diesen Veröffentlichungen ein Bild "Bibliotheken gegen Autor*innen" gezeichnet wird. Dass so wenige eBooks von privaten Kund*innen gekauft werden, hat meiner Meinung nach vielfältige Gründe - die Onleihe rangiert dabei eher am hinteren Ende. Vielmehr ist es die eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit von eBooks, die mich persönlich vom Kauf von eBooks abhält. Ich kaufe ausschließlich Papierbücher, weil ich darauf nach dem Kauf uneingeschränkt zugreifen kann - ob ich es in mein Regal stelle, verschenke oder weiter verkaufe, liegt in meiner Hand. Beim eBook habe ich dazu keine Möglichkeit.


    Dass die Autor*innen für die Ausleihe keine Tantiemen erhalten, finde ich auch nicht in Ordnung. Aber ist das nicht genau der Punkt, an dem hier angesetzt werden muss? Für physische Medien gibt es die Bibliothekstantieme, die gesetzlich geregelt ist. Warum sollte die Ausleihe von eBooks nicht auf der selben Basis für alle Beteiligten möglich sein?

  • Vielmehr ist es die eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit von eBooks, die mich persönlich vom Kauf von eBooks abhält

    Geht mir ganz genauso.


    Dass die Autor*innen für die Ausleihe keine Tantiemen erhalten, finde ich auch nicht in Ordnung.

    Das liegt ja auch nur an den aktuellen Modellen, die die Verlage(!) ausgehandelt haben.

    Auf Bibliotheksseite kenne ich ausschließlich Befürworter der Ausweitung der von dir genannten Bibliothekstantieme - mit der eine faire Basis für alle(!) Beteiligten gewährleistet wäre, so wie es sich im Print-Bereich schon lange bewährt hat. Wir wollen ja Verlage und Autor:innen nicht über den Tisch ziehen, auch wenn das gerne so dargestellt wird.

  • Der Bericht kam im Heute-Journal im ZDF; in den Tagesthemen kam nichts (ich habe jedenfalls nichts zum Thema gesehen - da gab es verständlicherweise einen längeren Beitrag zum Tod von Gerd Ruge; vielleicht musste anderes weichen...).


    Zum Heute-Journal:


    Juli Zeh (wer sonst) hat die Gelegenheit gut genutzt, um u.a. die ca. 7 Ct pro Ausleihe anzubringen (was wirklich wenig ist) etc... und natürlich gefragt, wie Autor:innen bei dieser Art Verdienst ihr Leben fristen sollen. (Dass die meisten Autor:innen ihr Leben sowieso nicht mit dem Schreiben allein finanzieren könen, hat sie natürlich nicht gesagt).

    Christian Schumacher-Gebler (Bonnier) kam dann auch noch zu Wort - er sprach von substantieller Gefahr etc.

    Andreas Degkwitz hat beschwichtigend erklärt, aus 'unserer' Sicht sei die Lage so dramatisch nicht (von mir paraphrasiert). Und weiter: Klar; es könnte schon geringe finanzielle Einbußen geben...

    Also wirklich. Reichlich ungeschickte Kommunikation seitens des dbv, finde ich. Kleinreden hilft doch nicht - hätte man faire Lizenzmodelle nicht wenigstens kurz erwähnen können?

    Auf der Buchmesse wird es diesbezüglich hoch hergehen, denke ich. Die Initiative "Fair Lesen" hat den Termin für die konzertierte Öffentlichkeitsarbeit so kurz vor der Buchmesse ja nicht zufällig, sondern sehr geschickt gewählt. Und gute Rhetoriker:innen hat sie ebenfalls.

    Ob der dbv dem etwas entgegenzusetzen hat (inhaltlich und formal)?

    Einmal editiert, zuletzt von spitzefeder ()

  • Ich werfe mal eine Frage in den Ring: Würden die Autoren und Autorinnen mehr verdienen, wenn es keine Onleihe(n) mehr geben würde?


    Nicht unbedingt, weil die allermeisten Leute die Bücher, die sie dann nicht mehr ausleihen könnten, nicht kaufen würden!

  • Nicht unbedingt, weil die die allermeisten Leute die Bücher die sie dann leihweise lesen wollten, als Papierbuch in einer Bücherei ausleihen würden.


    Und Leihbüchereien, auch Bibliotheken genannt, gibt es schon seit der Antike. ;)

    Für auszufüllende Pflichtfelder ONLEIHE und MOBILE GERÄTE bei der Anmeldung im Forum!

    Das würde die Arbeit aller Helfer und Ratgeber enorm erleichtern.

  • Aber genau das wäre den Verlagen sehr recht - Die Bibliotheken müssten dann mehr Papierbücher kaufen, um die Nachfrage zu decken ;)


    Doch das steht ja nicht zur Debatte. Das eBook kriegt niemand mehr aus den Bibliotheken heraus... obwohl, wenn man Juli Zeh mal richtig zuhört, argumentiert sie genau dafür - der eBook-Verleih generell ist 'böse'. Und natürlich die gutsituierte Leih-Leserschaft, die, mit Flatrate-Denken behaftet, lieber für nen Appel und nen Ei 'downloadet' als eBooks zu kaufen.

    Klingt fast so, als würde die Leserschaft durch diese ganze eBook-Verleiherei konditioniert, sozusagen von den Bibliotheken 'verführt'...

    Das aktuelle Problem der im Raume stehenden 'Zwangslizensierung' wirkt da vorgeschoben.


    Auf heise.de findet sich eine etwas differenzierende Position:

    --> Was war. Was wird. Vom fairen Wettbewerb zum fairen Lesen

    Dort etwas herunterscrollen zum Punkt "Was wird."

    Hier ein paar Textfetzen (Zitate aus dem Heise-Artikel):

    "...Angeblich geht es gegen eine Zwangslizenzierung..." und "...Die Verleger und die von ihnen eingewickelten Autoren..."

  • Um das ganze besser einschätzen zu können, fehlt mir die Benennung der Beträge (sorry ich hatte noch keine Zeit alle links genau zu lesen und weiß nicht ob das dort benannt wird).

    Was erhält ein Autor pro Buch, bzw. e-Book im normalen Verkauf?

    Was erhält sie/er pro Ausleihe eines physischen Titels aus der Bücherei und für die onleihe-Ausleihe ?

    Dabei jetzt „die Bibliotheken“ als Feinde ins Feld zu führen, naja wie oben schon steht, Bibliotheken gibt es seit Jahrhunderten.


    Wir hatten vor kurzem eine Autorenlesung für Kinder mit einer anschließenden Verlosung von 3 Büchern des Autors.

    Nachdem die Gewinner feststanden, wies ich die Kinder darauf hin, wer jetzt kein eigenes Exemplar gewonnen hat, der Titel auch zur Ausleihe da ist.

    Sehr schnell kam darauf die Aussage des Autors, man könnte das Buch (besser) auch kaufen.

    Dabei kam er mir fast wie ein „Vertreter“ vor.

  • Wenn die Ausleihzahlen tatsächlich so stark wären, dass der Verleih von eBooks "die Lebensgrundlage [der Autor:innen] gefährdet" würde ich als Bibliothekar mich doch sehr freuen ;)


    Aber ich kann mich da nur den Vorrednern anschließen. Man kann und sollte über ein faires Bezahlmodell im Sinne einer Tantieme sprechen. Die Bibliotheken und die angeblich verwöhnte Leserschaft als Feindbild zu skizzieren ist sicherlich nicht hilfreich.

  • Was erhält ein Autor pro Buch, bzw. e-Book im normalen Verkauf?

    Tante Gugula findet Ergebnisse, die einen Bereich von 8-10% des (Netto-)preises eines Buches angeben, andere schreiben von 1-2 Euro pro Buch. Letzten Endes hängt das natürlich von dem Vertrag ab, den der/die Autor*in mit dem Verlag ausgehandelt hat.


    Bei eBooks scheint der Verdienst der Autor*innen deutlich höher zu sein. Einen interessanten Artikel habe ich hier gefunden.

  • Die zwei Rechenbeispiele in dem Artikel ergeben zwar einen deutlich höheren Anteil am Verkaufserlös, aber auch nur jeweils 82 und 94 Cent pro Lizenz.


    Wie gesagt, es darf aus meiner Sicht ruhig mehr als 7 Cent pro Ausleihe sein, aber die Autor:innen sollten nicht vernachlässigen, dass sie durch die Onleihe eine größere Reichweite als ohne haben. Reichweite lässt sich heutzutage monetarisieren. Es gibt schließlich auch Leute, die sich den Kaufpreis für Bücher nicht leisten können/wollen und die schon wegen der Jahresgebühr ihrer Bibliothek mit sich hadern.

  • Da im Footer von --> https://www.initiative-fair-lesen.de/ auf den Hashtag #fairlesen hingewiesen wird, habe ich da mal etwas rumgelesen...

    Auf der Homepage wird kräftig unterschrieben.

    Unterschreiben kann jede/r. Es wird nichts abgefragt, nichts blockert; jeder Blödsinn kann geschrieben werden. Das einzige mögliche Hindernis ist ein Captcha.

    Die Liste der Unterstützer:innen wird immer illustrer - sogar der olle Goethe hat von janz weit oben unterzeichnet (einmal als Klassiker, einmal als Geheimrat), ebenso Pipi Langstrumpf, Karl Marx, Graf Zahl, Thomas und Heinrich Mann... u.v.a.m.

    :sleeping:

  • spitzefeder Ich bin mal deinem Link zum Twitter-Hashtag gefolgt und frage mich, ob wir Bibs uns nicht für diese Werbekampagne für öffentliche Bibliotheken bedanken sollten, die hier grade volle Fahrt aufgenommen hat :S .


    Von welchem nicht vorhandenen Geld haben die Autor*innen eigentlich die s**teuren Anzeigen bezahlt? Oder steckt vielleicht jemand Anderes dahinter? :/